-->
Thinkpad Mini-PCI WLAN-Kartencongenio
Die neuen IBM® Thinkpad™ Notebooks der R-, X- und T-Serien (z.B. T40/T40p, T41/T41p, T42/T42p, R40, R50) sind gute Geräte, die unter Umständen jedoch ein großes Problem bereiten:


* Der Auslöser

Wenn der Benutzer auf die Idee kommt, den vorhandenen 802.11b Intel® Pro Wireless 2100B WLAN-Adapter gegen ein flexibleres Modell (z.B. 802.11b/g oder 802.11a/b/g) auszutauschen oder bei Modellen, die noch gar keinen WLAN-Adapter haben, solch einen nachzurüsten, kann er bei IBM mindestens sechs Modelle ordern:

  • Art. 31P8601: Intel PRO/Wireless LAN 2100 3B Mini-PCI Adapter (802.11b, aber diesen wird niemand ordern, da die anderen ein besseres Preis/Leistungsverhältnis haben, und er ein Auslaufmodell ist)
  • Art. 73P2802: Intel PRO/Wireless 2200BG Mini-PCI Adapter from IBM (802.11b/g, mit dem günstigsten Preis)
  • Art. 31P9701: IBM 802.11a/b/g Drahtloser Lan Mini-PCI Adapter (es handelt sich um ein Produkt von Atheros)
  • Art. 73P4302: IBM 11a/b/g Wireless LAN Mini-PCI Adapter II for EMEA (Nachfolger des 31P9701 für Europa)
  • Art. 73P4301: IBM 11a/b/g Wireless LAN Mini-PCI Adapter II for EMEA, ANZ, HK & US (Nachfolger des 31P9701 für USA)
  • Art. 41N2991: Intel PRO/Wireless 2915ABG Mini-PCI Adapter - Europe

Insbesondere der zweite dieser Adapter ist sehr attraktiv, weil er nur ca. 73€ kostet und man den 802.11a-Standard selten benötigt. Noch attraktiver wird er dann, wenn man sieht, dass dieser Adapter scheinbar überall sonst für ca. 30€ zu haben ist.


* Die Auswirkung

Kauft man dann einen solchen Original-Intel-Adapter (oder auch Dell, die werden oft auf EBay angeboten) und baut ihn ein, bekommt man beim nächsten Booten eine Meldung: "error: 1802: Unauthorized network card is plugged in" bzw. "Fehler 1802: Nicht authorisierte Netzwerkkarte" und der Rechner steht - er kann nur noch ausgeschaltet werden.
Ein wenig Recherche im Internet findet folgende Seiten zu diesem Thema:

-> Anandtech Diskussionsforum (sehr interessant!))
-> News-Posting eines betroffenen Benutzers mit Lösung
-> Paul Sladens sehr gute Erklärung des Sachverhalts
-> ThinkWiki 1
-> ThinkWiki 2


* Die Ursache

Kurz gesagt, hat IBM im BIOS die PCI-IDs der unterstützten Karten abgelegt. Alle anderen Karten werden abgelehnt. Dabei wird auch die Sub-PCI-ID berücksichtigt, die sich bei verschiedenen Karten der selben "Familie" unterscheidet. So hat z.B. Intel konkret bei der 2200BG folgende Varianten (die Original Intel 2200BG und die IBM sind hervorgehoben):

PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27018086 : Intel 2200BG MoW (U.S.A.)
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27028086 : Intel 2200BG RoW (Europa)
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27118086 : IBM 2200 MoW (U.S.A.)
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27128086 : IBM 2200 RoW (Europa)
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27218086 : Dell 2200 mPCI 3A - MoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27228086 : Dell 2200 mPCI 3A - RoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27318086 : Fujitsu 2200 mPCI 3B - MoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27328086 : Fujitsu 2200 mPCI 3B - RoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27418086 : Toshiba 2200 mPCI 3B - MoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27428086 : Toshiba 2200 mPCI 3B - RoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27518086 : Sony 2200 mPCI 3B - MoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27528086 : Sony 2200 mPCI 3B - RoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27538086 : Sony 2200 mPCI 3B - ZZD
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27548086 : Sony 2200 mPCI 3B - MoW LMA label
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27618086 : HPQ 2200 mPCI 3B - MoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_27628086 : HPQ 2200 mPCI 3B - RoW
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_12F5103C : HPQ 2200 mPCI 3B - MoW Subven 103c
PCI\VEN_8086&DEV_4220&SUBSYS_12F6103C : HPQ 2200 mPCI 3B - RoW Subven 103c

Diese Karten unterscheiden sich z.T. nur marginal (siehe unten), klar ist, dass Intel für jeden Hersteller eigene Sub-PCI-IDs verwendet.

* Die Lösung

Es gibt zwei Lösungsansätze, um die BIOS-Prüfung zu umgehen (Windows erkennt übrigens danach die Karten einwandfrei!):

1. Patchen des BIOS. Das ist gefährlich und extrem umständlich, bringt übrigens auch keinen echten Mehrwert gegenüber der nächsten Variante. Matthew Garrett gibt aus gutem Grund keine Hinweise darauf, wie man das genau tut. Für den interessierten Leser sei gesagt, dass er Probleme haben wird mit: a.) Finden der richtigen Utilities und deren Bedienung b.) Herstellen einer Umgebung, in der diese laufen c.) Bereitstellen von genug Kapazität, um die Firmware abzulegen d.) Unterschiedlichen Binärformaten von BIOS-Abbildern e.) Verständnis der notwendigen Änderungen f.) Korrektur von Prüfsummen.
Nachfragen dazu sind auch bei uns zwecklos.

2. Setzen eines CMOS-Konfigurationsparameters. Offenbar hat IBM doch ein Einsehen gehabt und ein Bit zum Unterdrücken der Fehlermeldung vorgesehen. Es kann mit einem Debugger oder mit -> diesem Programm (das Original stammt von Tisheng Chen, war unter der alten Adresse aber nicht mehr erreichbar) gesetzt werden. Dazu muss eine bootfähige DOS-Diskette erstellt werden. Alternativ gibt es -> hier auch bootfähige CD- und Floppy-Images.

Außerdem sollte alles vor dem Einbau einer solchen Karte geschehen. Anderenfalls kann man mit F1 beim Booten in die BIOS-Einstellungen gehen und die WLAN-Karte deaktivieren (sonst ist wegen des 1802-Fehlers ja kein Boot möglich). Ein etwaiger Verlust der Inhalte des CMOS-Inhalts hätte bei dieser Variante theoretisch wieder den 1802-Fehler zur Folge, aber das ist sehr unwahrscheinlich. Selbst beim Flashen des BIOS auf eine neuere Version sorgt IBM dafür, dass der CMOS-Inhalt erhalten bleibt, außerdem: siehe Hinweis 3.

Hinweis 1: Zumindest die Original-Intel-Karte unterscheidet sich offenbar in der Ansteuerung der Mini-PCI Pins #11 (LED1_GRNP) und #12 (LED2_YELP). Diese sind im -> Mini-PCI Standard 1.0 als "optional" gekennzeichnet, die Belegung kann willkürlich erfolgen. Daher bleibt in jedem Fall bei Nutzung einer Original-Intel-Karte die WLAN-LED am IBM Thinkpad dunkel. Möglicherweise gibt es eine Art Microcode in den Intel-Adaptern, mit der man dies ändern könnte, aber Utilites dafür sind noch nicht aufgetaucht. Zur Zeit kann man also Original-Intel-Adapter zum Laufen bringen, aber immer nur ohne die WLAN-LED.

Hinweis 2: In dem oben angegebenen -> Thread des Anandtech Diskussionsforums (am Ende der Seite) finden sich Anleitungen, wie man die IBM-Utilities und Installationsdateien so modifizieren kann, dass auch sie mit den Original-Intel-Adaptern arbeiten können. Dies betrifft z.B. das Programm IBM Access Connections, das mit Fn+F5 aufgerufen wird und die Steuerung der WLAN-Karten ermöglicht.

Hinweis 3: Selbst, wenn der 1802-Fehler auftritt, muss man nicht alles wieder aufschrauben und umbauen: Einfach beim Einschalten F1 drücken, die Wireless-Karte abschalten und dann ggf. den CMOS-Patch anwenden!

Hinweis 4: Auf bestimmten neueren Geräten der Thinkpad-Serie bewirkt der CMOS-Patch leider nichts mehr.

Hinweis 5: Die congenio übernimmt keine Garantien. Weder für fehlgeschlagene Notebook-Umbauten, noch auf die Richtigkeit des hier Geschriebenen!

* Alternative für Atheros-basierte Karten

Auf älteren Thinkpads (z.B. T30-Serie) gibt es bei Einsatz eines Atheros-basierten Adapters neben dem 1802-Fehler noch einen weiteren, nämlich den 01c9-Fehler, der besagt, dass mehr als ein Ethernet-Adapter im Gerät ist. Dieser Fehler tritt sogar mit Original-IBM-Adaptern auf. Er lässt sich zwar mit einem Tastendruck übergehen, ist aber trotzdem lästig.

Die Ursache liegt darin, dass bei Atheros-Karten die -> PCI CLASS ID den Wert 02:00 hat, der eigentlich für Ethernet-Adapter reserviert ist. Findige Tüftler haben herausgefunden, wie sich das Konfigurations-EEPROM für Atheros-Adapter modifizieren lässt, so dass man sowohl die PCI CLASS ID als auch die PCI ID für diese Adapter ändern kann (es gibt allerdings einige, bei denen dieser Bereich offenbar schreibgeschützt wurde).

Für die Änderung der PCI CLASS ID gibt es mittlerweile ein fertiges -> Linux-ISO-Bootimage, Infos zum Thema gibt es -> hier.

Wie gesagt, dies gilt leider bislang nur für Atheros-basierte Karten wie z.B. die Gigabyte GN-WIAG02, für Intel-basierte ist nicht bekannt, wie sich das Konfigurations-EEPROM ändern lässt.

* Der Schuldige

...ist wie immer der Kunde. IBM sagt auf den Webseiten: "Außerdem sind auf die Wi-Fi-Wireless-Technologie aufrüstbare(32), Modelle erhältlich, die eine drahtlose Netzwerkanbindung mit Hilfe der neuen optionalen Wi-Fi-Adapter ermöglichen." Im Fußnoten-Popup Nr. 32 heißt es dann ziemlich versteckt: "(32) Kann mit einer optionalen Wireless LAN Mini PCI Card auf die Wireless-Technologie aufgerüstet werden. Für diese Systeme können ausschließlich Wireless LAN Mini PCI-Optionen von IBM verwendet werden."

Die Tatsache, dass es sich um spezielle, (künstlich) herstellerabhängige Karten handelt, wird dadurch verschleiert, dass IBM überall auf den Webseiten von Mini-PCI spricht (was Standardkonformität nahe legt) und in den Produktseiten der WLAN-Optionen keinen Hinweis darauf gibt, dass es sich nicht, wie beschrieben, um echte "Intel PRO/Wireless LAN 2100 3B Mini-PCI Adapter" handelt, sondern um IBM-spezifische.

Auch der Firma Intel gebührt hier eine Rüge, denn sie stellt sich auf den Standpunkt: "Bei den Intel[R] PRO/Wireless 2200BG und 2100 Adaptern handelt es sich um OEM Produkte, die als Bestandteile der Intel[R] Centrino[TM] Technologie nur an Notebook Hersteller weitergegeben werden. Installation de Technologie durch Endbenutzer wird nicht unterstuetzt. Bitte wenden Sie sich mit allen Anfragen an den Notebook Hersteller."

Konkrete Antworten auf die Frage nach den Unterschieden der diversen Modelle wurden nicht beantwortet.

Man könnte sich fragen, weshalb die Original-Intel-Karten überhaupt frei verkauft werden, da sie ja nach Intels Meinung nicht zum Nachrüsten geeignet sind.

* Empfehlung

Wir empfehlen mittlerweile aufgrund der auch bei IBM/Lenovo gesunkenen Preise den Einsatz der Original-IBM-Karten, die Hinweise hier richten sich eher an diejenigen, die bereits in die Falle gelaufen sind. Übrigens: Es gibt anstelle der IBM Original-Teilenummern (z.B. 41N2991) immer auch sogenannte FRU-Nummern (z.B. 93P4237) für -> Ersatzteile. Letztere sind deutlich billiger, der Lieferumfang ist anscheinend gleich.

 congenio empfiehlt:



HomeTunnel

Für die Digitalnomaden von heute

HomeTunnel ist die Lösung, wenn Sie auf die Geräte in Ihrem Heimnetz von überall in der Welt aus zugreifen wollen, als ob Sie zu Hause wären.